Mittwoch, 14. Oktober 2009

Es reicht! Für heute...
















Södele, zwar mit Hilfe, aber trotzdem arbeitsintensiv und anstrengend, ist der Garten winterfest.





Vertikultieren, zurückschneiden, nochmal jäten, Pilze suchen (oh, die Hobbits hätten ihre helle Freude gehabt!), abflämmen, Antialgen auf alle gepflasterten Flächen. ..





Eigentlich bin ich eh jede Woche zweimal im Garten und mach und tu, aber irgendwie kommt das Unkraut immer schneller nach, als ich es zuppeln kann:-((.





Irgendwo habe ich mal sowas gelesen von *Rent a Sam*...





Das hätte mal was...





Obwohl, Karl Urban mag doch auch Gartenarbeit *lechz*...





Und ihm dabei dann auf seinen Popo schauen (und vielleicht nicht nur schauen...)





Ruhe, da Unten und da oben *michzurordnungrufe*!





Schade, daß ich so selten Zeit (und Gelegenheit/Lust) habe, den Garten auch mal auf angenehme Art und Weise zu nutzen.





Nun, ja, dieses Jahr sind nur noch ein-, zweimal mähen, mineraldüngen, und Laubfegen auf dem Programm.





You

You

I can see your face
in nearly every place.
I feel your sensible hands
like soft golden sands
running over my spines.

Looking at your smile
just for a little while
I´ll soon forget about sorrow
don´t take care of tomorrow
now that I´m so close to you.

You stole in my heart
right from the very start
But I cannot explain
these old fears still remain,
and haven´t gone with the wind.

Listening to your voice
I don´t have any choice.
I feel my body´s reaction
your deep emotional attraction
with every inch of my skin.

But it makes me feel blue
that now left without you.
I just long for touching your cheek
to heal this new inside weak
that causes shivering burn.

REFRAIN:
My heart s door
is just opened wide
with open eyes
I run and jump again into abyss
Strange the story goes on
Strange the story remains
strange the feeling remains
though the answers has gone
Strange the question remains
though there is no response.

This is a song dedicated to an unforgettable night. Thank you...

Freitag, 9. Oktober 2009

Dominas und Sub-Hunde
















Katzen kratzen
















Ohne viel Worte, Katzen sind Doms und Dominas, und Hunde sind bloß unterlegene Langnasenkatzen.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

wedding


So, extra für Padme....

Montag, 5. Oktober 2009

Herbst







Dies ist die Zeit, die meinem Herz am nähsten steht,



das Schattenvolk scheint nun so nah.



Mit der Empfindung von verschwenderischer Pracht, die nun vergeht,



verweht zu leisen Tönen von Traurigkeit, die niederfallen,



entlang Pfaden gestrandeten Nebels.



Oh, sanfte Zeit!



Die späten Morgen juweelengeschmückt von erstem Reif,



und blaue Schatten liegen auf den fernen Wäldern.

Freitag, 2. Oktober 2009











RingCon, Kino, Essener Spiele-Messe,Tolkien-Tage, JRR´s Geburtstag , früher waren das für mich immer HighLights, und inzwischen?




Mag mich einfach nicht aus meiner Hobbit-Höhle bequemen (ja, okay, halbe Hobbit-Höhle, weil Tür und Fenster sind bloß HALB-rund.




Meine Seele fühlt sich so grau, wie der Tag draußen, und dabei weiß ich, es würde besser, ginge ich nur für eine Stunde in den Wald.




Aber das Aufstehen und DURCH die Tür gehen ist schon viel zu schwer.




Vielleicht ist morgen ja ein besserer Tag.

Donnerstag, 1. Oktober 2009







27.Januar Morgens

Übergangslos bin ich wach. Aber etwas ist merkwürdig, anders als sonst.
Ja, es ist schon dämmrig, und ich habe wieder nichts geträumt!
Vielleicht bin ich einfach nur zu müde; Wie immer in den letzten Tagen vor meinem Jahresurlaub ist mein Op-Plan übervoll.
Aber nein, das ist es nicht: eigentlich erfrischen mich meine Träume, sie sind…? Sind es wirklich bloße Träume? Oder ist vielleicht das Leben der Traum, und das, was geschieht, wenn mein Geist frei durch die Traumwelten herum schweift, ist real?
Manchmal kann ich es nicht mit Sicherheit sagen.
Manchmal scheint es gewiß, ja, all diese Landschaften, diese Orte, diese Wege, diese Welten, ich könnte Karten zeichnen, ich könnte deren Gesetzmäßigkeiten aufzählen (die sich von den Strukturen der wachen Welt unterscheiden, aber wohldefiniert und festgeschrieben sind), sie existieren!, sie müssen einfach existieren!!, es ist alles so selbstverständlich, so tiefvertraut.
Mitunter gibt es dort auch andere, doch, auch wenn ich mich an einzelne ihrer Taten erinnere, ihre Gesichter sehe ich niemals, wenn ich wach bin.
Nun, wenn ich noch eine Runde laufen möchte, vor der Arbeit, muß ich es JETZT tun, denn es ist spät genug.

27. Januar Abends

Der Tag ist wieder an mir vorüber gezogen, und er hat keine wirkliche Spur in meinem Geist hinterlassen.
Das einzige, worüber ich nachdenke, als ich vor meinen Glas Wein sitze, ist, wie wohl die Urgestalt des bereiften Spinnennetzes hinter dem gebrochenen Licht aussah, Splintered Light.

28. Januar Morgens
Wieder traumlos geschlafen, fühle mich leer, sinnlos, möchte nur mehr Perzeption sein, ohne Körper…

28. Januar 14 .00 Uhr
Vorhin habe ich einen Patienten, männlich, 30 Jahre, Motorradunfall , verloren. Ich konnte fühlen, wie sich sein Geist langsam auflöste. Ist er in seine Traumwelt gegangen, oder woran hat er nun Teil?
28. Januar Abends

Vor mir steht ein Glas, gefüllt mit einem St. Emilion, purpurroter Glanz, schwer, aber nicht so zäh wie Blut, das Blut, welches auf die grünen Laken tropfte, von der verklebten Schläfe des so jung aussehenden Mannes.
Wie ungern verliere ich diesen Kampf! N icht, daß ich sein Leben für mich erhalten möchte, um mit ihm zu reden, mit ihm zu leben; so, wie mir niemand wirklich etwas bedeutet, gibt es auch keinen, der an mir Anteil nimmt.
Aber ich glaube, all diese vielen Menschen haben ein Leben, sie haben eine Bedeutung für ihre Umgebung, und hinterlassen eine Lücke, wenn sie gehen.
Ob ich gehe oder bleibe, es macht keinen Unterschied, vielleicht nicht einmal für mich.

29. Januar Morgens

Beim Lauf heute morgen ist mir die Idee gekommen, mein Sinn könnte vielleicht in der bloßen Wahrnehmung der kleinen Wunder der Natur bestehen. Irgendwie schien dem Wald heute früh ein wenig von der Schönheit meiner Traumlandschaften zu Eigen, es war nur ein Gefühl, eine Empfindung, der ich im Wachen nachspürte.

29. Januar Abends
Heute Abend habe ich den Kamin angezündet, er wärmt meinen kalten Körper ebenso, wie es der Rioja tut, der rubinrot gegen das Feuer schimmert.
Wenn ich morgen Nachmittag meine alljährliche Urlaubsreise antrete, wird es mich wie immer, verwundern, wie ein so kurzer Flug mich aus dem kalten Winter, der hier die Natur beherrscht, in einen milden Frühling bringen kann.
Ich freue mich, wieder die Berge zu sehen, diese weite, wilde Einsamkeit, in der ich stundenlang umherstreifen kann, und doch nur meine eigenen Gedanken treffe, meine Erinnerungen mit neuen Bildern sättige.
Die Musik bringt mir Genuß, ich höre Chopin, dann Anthony Phillipps, und jede Musik hat für mich Bilder, entweder selbsterlebte, oder diejenigen, die der Künstler selbst mit dem Pinsel der Töne gebannt hat.
Warum finde ich in immer wieder offenkundig verwandte Geister in Literatur, Musik und Malerei, die mich über ihre Werke durch Zeit und Raum zu grüßen scheinen, und doch kann niemand meinen Blick und meine Gedanken bannen, den ich wirklich getroffen habe.
Doch vielleicht ist es gerade die Entfernung, die diese Geister dem meinen so nah erscheinen läßt, vielleicht erfolgte der räumlichen oder gar der emotionalen Nähe der Prozeß der Ent-Täuschung, wie ich ihn in meiner Kindheit so schmerzlich erleben mußte.
Als die geheimnisvollen, blauen Hügel auf der anderen Seite des Sees, von denen mir erzählt wurde, sie seien schon ein anderes Land, zu denen ich in meiner Vorstellung so oft gereist war, und um die sich meine schönsten Phantasien spannten, sich bei der Fahrt über den See bei der Annäherung auf bloße, baumbestandene Hügel reduzierten, die Stadt, die Feen beherbergen sollte, mit denselben Häusern und Gebäuden , die es auch bei uns gab, bebaut waren, und die Wesen, die dieses ferne, märchenhaft geglaubte Land bewohnten, genau so aussahen, sich bewegten, wie wir, auch wenn sie in einer mir unverständliche Sprache miteinander redeten, die aber meinen Eltern sehr wohl geläufig zu sein schien, hörte ich auf, an Feen und Märchen zu glauben, und dieser Glaube wurde mir viel zu früh genommen.
So betrachte ich auch heute noch Menschen lieber aus der Ferne; sie bleiben flüchtige, manchmal schöne Eindrücke, aber ich lasse nicht zu, daß der Prozeß der Ent-Täuschung mich überwältigt.
Ich las einmal irgendwo, nicht der Besitz mache poetisch, sondern das Verlangen.
Es ist spät, das Feuer ist niedergebrannt, die Flasche ist leer…
30. Januar

Meine Abschiedsrunde, Tony Banks singt: *Don´t think about tomorrow, in the darkness I can still believe you ´re here*
Diese Worte hörend, erinnere ich mich an einen seltsamen Traum, den ich heute Nacht hatte:
Irgendwie kam da ein *you* vor, irgendein Gegenüber, das mir etwas bedeutete, aber es ist nur eine Präsenz, kein Körper, kein Gesicht.
„ If the power of love could give a vision substance, then in truth you were alive and close to me“
Schluß mit der Träumerei! Fast wäre ich über eine Wurzel gestolpert!
Aber warum, warum nur fühle ich mich Menschen näher, die ich bloß aus Büchern kenne, von ihren Werken, ihren Kunstwerken, ihren Liedern, als realen Leuten aus Fleisch und Blut?
Weil sie nur eine Idee, eine Vorstellung sind, die mich nicht enttäuschen kann, deren Zauber erhalten bleibt, WEIL man sich ihnen nicht nähern kann?
So wird es sein!
Während ich arbeite, sind alle meine Sinne auf meine Aufgaben gerichtet, es ist kein Platz für auch nur einen müßigen Gedanken, es beschäftigt meinen Geist und läßt mich glauben, ein nützliches Glied dieser Gesellschaft zu sein und eben diese Konzentration und eine unverdiente Begabung machen mich zu der guten Neurochirugin, die ich zweifellos bin.
Aber was bin ich sonst? Macht mich das nicht auch zu einer dieser seelenlosen Maschinen?
Ja, ich weiß, ich bin leicht autistisch, nun ja, wer hat nicht irgendeine Macke in diesen heutigen Zeiten.
Ja, ich bin auch asozial, im allerursprünglichsten Sinne des Wortes, ich will mich nicht einfügen in die Gesellschaft, die ich kenne, ich halte sie mir (und ich mich ihr) fern, was wohl beiden Seiten besser zuträglich ist.
Gott, gut, daß ich gleich in andere Umgebung komme, hoffentlich lenkt mich das von diesen Gedanken ab.
1.Februar
Nun hat mich der Alltag wieder, und das schon seit einer guten Woche. Natürlich war ich im Urlaub allein, aber ich fühle mich einsamer, wenn ich beruflich gezwungenermaßen eine dieser Veranstaltungen besuche, mit einem Alibi-Glas in der Hand, mit vielen Leuten redend, ohne jedoch wirklich zu kommunizieren.
Ich habe all meine Sinne geöffnet, bin mit wundervollen Eindrücken getränkt, Wind und Sonne auf der Haut, Licht und Weite in den Augen, wunderschöne Klänge in den Ohren, und eins zu sein mit meinem Gedanken, der mich nicht länger vorauseilt, sondern eins ist mit meinem Körper, ganz in der Freude, im Hier und Jetzt, Laufen, Leben, Spüren.
4. Februar
Ich habe heute wieder einmal (oh, bis jetzt hatte ich es wohl nicht festgehalten) diese seltsame, wunderschöne Musik gehört. Irgendwie scheint sie das Licht der Sonne klarer zu machen, den Geschmack der Luft in meinem Mund balsamisch, so wie in meinen Träumen. Es war, als ob ich wach in meinen eigenen Träumen spazierte. Schon oft habe ich versucht, diese Melodie auf dem Klavier zu intonieren, aber sie scheint so flüchtig wie ein Traum, wenn man ihn bewußt und gezielt zu analysieren versucht, entschlüpft er über den Rand der Wahrnehmung und wird zu bloßer Erinnerung, ohne Leben.
8.Mai
Es scheinen Kinder im Naturschutzgebiet zu sein. Auf meinen oft über bloße Wildpfade führenden Runden habe ich eine geschickt gebaute Laubhütte gesehen.
11.Juni
Es ist seltsam, so langsam scheine ich zu halluzinieren, über dieser Melodie. Heute habe ich mir wirklich sehr intensiv eingebildet, sie gesungen gehört zu haben, von einer Stimme…. Es jagte mir einen absoluten Schauder durch den ganzen Körper, wie von einem plötzlichen Adrenalinstoß angesichts einer drohenden Gefahr, aber es war ein zwiespältiges Gefühl, teils Furcht einflößend, teils wunderschön, so wie einer dieser Momente, in denen man alles zu verstehen scheint, mit allem eins ist, völlig zufrieden.
11.November
Ich habe eine Auszeichnung für hervorragende Arbeit erhalten. Unser Chefarzt wollte mich zum Essen einladen, aber ich habe wichtige Arbeiten vorgeschützt. Wie wenig mich das berührt hat! Viel intensiver war meine Freude, als bei der Heimfahrt sacht fallende weiße Flocken den nahen Winter ankündigten.
29.November
Ärgerlicherweise scheinen Motorradfahrer *meinen* Wald verbotenerweise zu ihrer neuen Cross-Trainings-Strecke erkoren zu haben. Ich hasse es! Mit ihrem Lärm, dem Gestank nach Zweitaktergemisch und den tiefen Wunden, die ihre Räder in den verschneiten Waldboden reißen, zerstören sie die makellose Schönheit , die ich sonst hier finde.
20.Dezember
Ich hoffe, ich kann rekonstruieren, was in den letzten zwei Tagen geschah.
Es ist so viel passiert, ich weiß kaum, womit beginnen.
Meine Finger zittern immer noch, obwohl ich ruhig zu Hause vor dem Kamin sitze, und das dritte Glas eines ausgezeichneten Cabernet-Sauvignon vor mir steht.
Es begann damit, daß die Crossfahrer ihre Anwesenheit durch huschende Lichter, infernalischen Lärm und Gestank verkündeten.
Jedes Mal, wenn ich gerade zu hoffen wagte, sie würden nun endlich einen anderen Weg einschlagen, wurde ich durch ihre gequält aufjaulenden Motoren eines besseren belehrt.
Plötzlich war da ein anderes Geräusch, Bremsen, ein Schrei… Stille…
Was war geschehen? Ich verschärfte mein Tempo und hielt auf die Stelle zu, von der ich den Aufschrei zu hören geglaubt hatte.
Kurz darauf konnte ich zwei offensichtlich rasch und nachlässig auf die Seite geworfene Zweiräder sehen; ihre Besitzer waren über einen anscheinend verletzten Kollegen gebeugt.
Sofort eilte ich zu dem Mann, dem aber nach kurzer Untersuchung nichts Ernsthaftes fehlte. Sein Fuß schien verrenkt, aber einen Bruch konnte ich nicht feststellen, und sein Helm und der schwere Lederanzug hatten weiteren Blessuren vorgebeugt. Der Blick eines der beiden Unverletzten ging aber in eine andere Richtung, und sein Gesicht wurde bleich.
Nun sah ich die eigentliche Katastrophe: ein Stück weit entfernt lag das dritte Motorrad, und unter ihm halb begraben lag dasjenige Opfer dessen Schrei ich wahrscheinlich gehört hatte. Um es herum war der Schnee rotgesprenkelt, zum Teil beinahe getränkt.
Sein eines Bein und der linke Arm lagen in einer unnatürlichen Haltung, offensichtlich gebrochen. Ja, ein offener Bruch, am Arm staken weiße Knochen heraus.
Bedrohlicher war jedoch die Schädelverletzung; Hirnmasse war zu sehen, durch einen langen, gezackten Riß, und Liquor tröpfelte in den roten Schnee. Das alnge, blauschwarze Haar des Mannes war in die Speichen des Motorrades gekommen, und hatte ihn teilweise skalpiert.
Der Motorradfahrer, der mir gefolgt war, übergab sich würgend, doch ich schenkte ihm keinerlei Aufmerksamkeit: Die war voll und ganz auf den verletzten Mann gerichtet und befürchtete das Schlimmste.
Meine berufliche Professionalität meldete sich, ich langte nach meinem Handy, schaltete die Musik aus und die Navifunktion ein. Gott sei Dank, Empfang! Die eingespeicherte Nummer war schnell gewählt, und glücklicherweise kannte ich die Sekretärin, die meinen Anruf entgegen nahm.
„ ich schicke meine Position per mail, ich brauche sofort und außerordentlich dringend einen Rettungshubschrauber. Ja, verbinden Sie mich sofort weiter.“ Ich schaute um mich herum.
„Ja, schnell, nein, ich übernehme den Fall selbst, Moment, hier können Sie nicht landen, aber ein Stück nach Westen hin ist ein größerer Windbruch, ja, so 300-400 Meter. Bei dem Schnee müßte der Heli dort gut landen können. Verbinden Sie mich bitte zurück?“
Während ich sprach, hatte ich den zu Verteidigungszwecken, aber eigentlich eher zu meiner eigenen Beruhigung dienenden Teppichschneider heraus gekramt und trennte die Haare des Verletzten aus den Speichen.
„ Ja, hallo? Veranlassen Sie, daß eine OP vorbereitet wird, offener Schädelbruch, multiple Traumen… ich operiere, ja.“
Ich hatte das Handy zwischen Ohr und Schulter klemmen, und versuchte, mich gleichzeitig aus Windbreaker und Fleecepulli zu schälen, um sie über den Verletzten zu breiten, die Kälte, der Schock, nein, niemand sollte sterben, ganz bestimmt nicht dieser Mann, nicht, wenn ich es irgendwie verhindern könnte.
Das Aufheulen von Motoren, das mir verriet, daß die Jungen das Hasenpanier ergriffen, ignorierte ich, denn wie immer, war mein Denken und Fühlen auf meinen Patienten gerichtet, und dieser merkwürdige Instinkt verriet mir, daß der Mann zwar noch lebte, die Betonung aber sehr auf *noch* lag.
Nach einer Zeit, die mir wie eine mittlere Ewigkeit vorkam, hörte ich das typische Surren des Helis und sah dann auch den wirbelnden Schnee, der die Landung bekundete, und schnell herbei hastende Gestalten.
Erleichtert strömt die Luft aus mir heraus. Nun könnte er eine Chance haben! Ich schaue mir zum ersten Mal wirklich die Person an, die da vor mir liegt.
Seine Haut ist sehr hell, trotz seines dunklen Haares, und die Augen, die befremdlich offen stehen, sind grau-blau, er ist sehr groß und schlank, fast hager.
Erneute fühle ich nach seinem Puls; er ist fadendünn und selbst am Hals kaum mehr zu tasten. So viel Blut, viel zu viel Blut! Ich muß sehen, daß er sofort, noch im Heli Plasma bekommt, seine Blutgruppe bestimmen, und sehen, daß Konserven bereit stehen.
Herrjeh, wie lange brauchen die eigentlich für die paar hundert Meter! Das kann doch nicht wahr sein!
Endlich treffen die Sanitäter mit der Bahre ein, und vorsichtig, ganz vorsichtig, hieven wir den Verletzten hoch, und versuchen, ihn möglichst schnell und erschütterungsfrei zum Heli zu transportieren.
Die Wärme dort drin läßt meine halb erstarrten Hände wieder beweglich werden, und ich weiß kaum, was zuerst zu tun. Er ist an Plasma und Glucose angeschlossen, noch ehe der Heli abhebt. Die Sauerstoffmaske vertreibt ein wenig die Blaufärbung seiner Lippen. Das EKG ließ sich gut anlegen, auf seiner haarlosen Brust. Merkwürdig, welche Nichtigkeiten man so nebenbei wahrnimmt!
Bei der Kreuzprobe fluche ich lästerlich. Es mußte ja auch ausgerechnet AB negativ sein, Kell, Kid Duffy spare ich mir, es pressiert.
Klar, es wird fast eine Stunde dauern, bis Konserven zur Verfügung stehen! Hätte ich kaum anders erwartet.
„ Komm, leg mir einen Zugang, ich werde Blut spenden, für das allererste.“
Mein Kollege sieht mich erstaunt an, tut aber, wie geheißen. Noch bevor der Hubschrauber landet, hat mein Patient 500 ml von mir, ohne Gegenprobe, ich weiß, nicht zulässig, aber wer fragt?
Als man mir den Butterfly ziehen will, protestiere ich. „ Laßt noch ein wenig laufen, er kann es gebrauchen.“
Eine hochgezogene Augenbraue antwortet mir.
Warum ist mir dieser Patient so wichtig? Ich meine, jeder Mensch in Not ist mir wichtig, aber gerade dieser Mann hier scheint irgendeine besondere Bedeutung für mich zu haben.
Keine Zeit für solche Betrachtungen.
Ein wenig schwindlig steige ich aus (beinahe ein Liter Blut fehlt einem doch wohl irgendwie), und renne mit wehendem Haar unter der Luftschraube gebückt neben der Bahre her.
Während mein Patient für die OP vorbereitet wird, sein Blut ins Labor gebracht, und ich die Ereignisse eruiere, bekomme ich eine Schwester am Kittelzipfel zu fassen, und verlange einen starken Kaffee und eine Flasche Astronautencreme.
Die nächsten Stunden vergehen in höchster Konzentration. Manchmal verschwimmt ein wenig das Bild vor meinen Augen, als ob die Auflösung des Mikroskops zu wünschen übrig ließe
Mehrmals kippt der Blutdruck, mehrmals treten unvorhergesehene Blutungen auf. Es gelingt aber, ihn immer wieder zu stabilisieren.
Dieser Mann hat trotz seiner Hagerkeit die Konstitution eines Pferdes. Aus dem Labor kommen einige Werte, die recht ungewöhnlich sind, aber ich kann kaum etwas meiner Konzentration erübrigen, mich damit zu beschäftigen.
Wir arbeiten an zwei Feldern zugleich, unser Neuzugang versorgt den offenen Bruch am Arm.
Nach sieben langen Stunden gebe ich den Auftrag zum Zumachen. Endlich kann ich mir leisten, meine Finger zittern zu lassen. Eine Schwester tritt an mich heran, und will meine Maske entfernen.
Plötzlich … „ Blutdruck fällt ab, nicht mehr meßbar, Herzschlag setzt aus… Flatline!“
Nein, verdammt, ich will das nicht! Schnell streife ich alle Kontakte ab. „ Weg vom Tisch!“ Ich setze den Defibrillator auf, *mein Zigeuner*, wie ich ihn heimlich getauft habe, bäumt sich auf, eine einzelne Zacke… nichts weiter. „Gebt mir mehr!“ Wiederum dieses Aufbäumen, ich fühle, wie sein Geist beginnt, sich aufzulösen. Nein!!
„Lidocain!“ brülle ich mit einer Stimmgewalt, die mich selbst erschreckt.
„ Du hast ihn verloren.“ sagt jemand.
„Nein!!!“ Alle sehen mich verwundert an; es ist mir völlig gleichgültig.
„Noch einmal mehr!“ Wieder versuche ich es mit dem Defi. Wieder nichts.
Ich will nicht, daß sein Geist sich so still davon macht, ich will es nicht!
Ich ritze eine Ampulle mit Lidocain auf, breche die Spitze ab, ziehe eine Spritze auf, klopfe die Luftblasen heraus.
„ Exitus, gib auf, keine Hirnströme mehr.“ Jemand faßt meinen Arm. Ich schüttele ihn ab.
„Laß mich, verdammt einmal!!“ Ich versuche das allerletzte, will, daß er weiterlebt, will es mit aller Kraft, die ich aufzubringen vermag * If thoughts could give a vision substance, then in truth you were alive and close to me…* Wie kann mir ausgerechnet jetzt ein Lied in den Kopf kommen?
Ich injiziere die Dosis direkt in sein Herz.
-nichts-
Ich spüre, wie Tränen meine Wangen herunter laufen. Kraftlos sinke ich zusammen. Ich habe versagt, versagt ausgerechnet bei demjenigen, dem ich, warum auch immer, unbedingt das Leben erhalten wollte.
-versagt-
Ich werfe einen Blick zurück.
Da! Ist das nicht…?
Ich stürze zurück, lege die Elektroden an, ja, jaaaaa, ich habe ihn, habe ihn zurück.
Irgendwie geben meine Beine nach. Mein Kollege stützt mich und bringt mich ins Bereitschaftszimmer. Während ich schon einschlafe, völlig erschöpft, jubele ich noch innerlich.
Geschafft! Ich habe es geschafft!
Keinen Gedanken verschwende ich, warum das mich so glücklich macht, warum das so eminent wichtig für mich ist.