Montag, 28. September 2009


SIE hat geweint,
doch niemand hat ihre Tränen getrocknet,
und man sagte IHR, es sei nur Schwäche, Gefühle zu zeigen,
und so lernte SIE, ihre seltenen Tränen heimlich zu weinen, und sie trockneten im Wind des Lebens.


SIE schrie nach Liebe,
doch man gab IHR zu verstehen,
dass so etwas nur Säuglingen zustände,
SIE wäre zu alt und zu vernünftig,
und so lernte SIE, SICH selbst nicht zu lieben.


SIE hatte Verlangen nach Anerkennung,
doch man sagte IHR,
dazu müsse sie erst einmal was leisten,
doch so sehr SIE SICH bemühte,
es war niemals gut genug,
und so lernte SIE, IHRE Meßlatte ins Unendliche zu hängen.


SIE wünschte sich, dass man sie einfach nur bemerkte,
doch immer schien es etwas zu geben,
was gerade wichtiger war,
so lernte SIE, SICH selbst nicht wichtig zu nehmen.


SIE sehnte sich nach Zärtlichkeit,
doch man stieß sie verständnislos beiseite,
so lernte SIE, dass SIE unerwünscht und dumm sei.


Dann wurde IHR Körper reif und schön,
und man(n) sah *ihn* plötzlich an,
wollte *ihm* Liebe geben,
zollte *ihm* Aufmerksamkeit,
anerkannte *seine* Schönheit
und so fing SIE an, SICH auf IHREN Körper zu reduzieren.

Aber SIE beneidete *ihn* um all dies, und begann, *ihn* zu hassen.


Nun, nach langer Zeit und vielen Kämpfen, weiß SIE,
dass *er* und SIE eines sind, nämlich ICH,
und wenn SIE es auch manchmal vergisst,
ICH erinnere mich schließlich wieder!!!!!!!!

Donnerstag, 24. September 2009

Warum nicht...


Es gibt eine Art von Leidenschaft, die ist beinahe unerträglich schön.
Schön jenseits jeder Worte, man steigt gemeinsam abwärts zu den innersten Tiefen einer selbst, in Dimensionen, die man allein oder auch mit jemand anderem niemals zuvor erreicht hat, und entdeckt sich gemeinsam neu, erfindet eine neue Realität, in der auch das Unbeschreibliche teilbar, vermittelbar ist.
Unerträglich, denn diese so absolute Wahrnehmung mit allen Sinnen übersteigt die Grenzen der Normalität. Es setzt eine völlige Preisgabe voraus, eine Übereignung jeglichen Seins; man ist nicht nur nackt, man ist ohne Haut, ohne jegliche Barriere. Es ist ein Ausgeliefert-Sein, der andere kann mit einem bloßen Gedanken höchste Lust verursachen, aber auch tiefste Qual.
Es ist ein Zustand allertiefsten Glücks und allertiefster Pein. Man möchte ewig darin verharren, aber man weiß, es wäre letal. Es ist unmöglich, physisch, psychisch, wie auch immer, es sei denn, man hegte den Wunsch, in diesem Moment zu sterben, und ihn so auf immer zu konservieren.
Der Mensch ist nicht gemacht für diesen Überschwang; er bringt den Wahnsinn mit sich. In diesem überhöhten Zustand zu bleiben… Es macht Angst…
Angst, zu überleben, urtiefste, instinktivste Angst; Angst sich selbst zu verlieren, an, in irgendetwas nicht Kontrollierbares.
Und der Gedanke, eine solche Gefühlsflut zu überstehen? Entweder, man ertrinkt darin, oder man stumpft vielleicht sogar ab, die Flut ebbt ab zu etwas Flachem, Alltäglichen.
Beide Gedanken sind keine wirkliche Alternative, jedenfalls nicht für mich.
Aber die Erinnerung an solche Dinge kann sehr stark sein; man kann sie immer wieder erleben, in der Erinnerung, ungetrübt, unzerstört, wenn auch immer mit Wehmut getränkt: Was hätte nur alles noch sein können?
Aber die Erinnerungen gehören mir, mir und ihm allein, und in mir sind sie lebendig, wie am tag ihres Erlebens. Vielleicht ist das ja die Art der Elben.
Und vielleicht denkt auch er in diesem Moment daran zurück, vielleicht…